Lawinenschutz in Norwegen

In Norwegen bestand Lawinenschutz bisher aus permanenten Schutzbauten wie Tunnels, Dämmen oder Galerien. Diese Massnahmen sind sehr effektiv aber die Investition und die laufenden Kosten sehr hoch. Auch der Eingriff in der natürlichen Umwelt ist selbstredend sehr gross. Aktive temporäre Massnahmen, wie z.B. vorbeugende Lawinenauslöung wurden von der Norwegischen Strassenverwaltung nur vereinzelt eingesetzt, hauptsächlich mithilfe von Sprengseilbahnen. An keinem dieser Orte war kontinuierlich ein Lawinendienst im Einsatz.

Test von Wyssen Lawinen-Sprengmasten an der Strasse Fv. 53 Tyin – Årdal
Im 2010 hat die Norwegische Strassenverwaltung entschieden, ein ferngesteuertes Lawinensprengsystem entlang der Strasse  Tyin – Årdal im Bezirk Opplandzu testen . Ein Wyssen Lawinen-Sprengmast wurde in einem der vielen Lawinenzüge, welche die Strasse gefährden, installiert um herauszufinden ob das System in diesen harschen Winterbedingungen wie starke Winde, sehr tiefen Temperaturen und kaum Tageslicht gut funktioniert.

In den zwei Testjahren konnten alle Sprengladungen erfolgreich gezündet und 12 Lawinen ausgelöst werden. Zusätzliche überstand das System den Orkan Dagmar im Dezember 2011 fast unbeschadet, wobei der Windgenerator zerfetzt wurde. Dadurch konnte die Batterie nicht mehr geladen werden, weil das Tageslicht zu dieser Jahreszeit noch zu schwach war für die Solarpanels. In dieser Zeit gab es ein natürlicher Lawinenabgang bis auf die Strasse. Dieses Ereignis zeigte, dass vorbeugende Lawinenauslösung in diesem Gebiet viel bringt. Ende Januar war wieder genug Sonnenlicht vorhanden, so dass die Solarpanels die Batterie wieder genügend aufladen konnte. Zwischenzeitlich wurde ein robusterer Windgenerator getestet welcher in Zukunft in Norwegen zum Einsatz kommt.

Das grösste Problem während der Testphase war, dass die verantwortliche Person für die Lawinenauslösung in Bergen, also 250 km entfernt, vom Testgebiet stationiert war. So war ein kontinuierlich erfolgreicher Lawinendienst nicht möglich. Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Projekts war deshalb, dass ein fortwährend lokal funktionierender Lawinendienst unumgänglich ist, wenn ferngesteuerte Lawinenauslösesysteme erfolgreich zum Strassenschutz eingesetzt werden sollen.

NO-Tyin (57)

Wirtschaftlichkeit und Kosten/Nutzen- Analyse

Auf der betroffenen Strasse ist die Verkehrsfrequenz mit einem DTV von 300 sehr tief. Trotzdem ist die Strasse für die Gemeinde Årdal und die lokalen Firmen wie Hydro Aluminum sehr wichtig. Die eigentliche Hauptverbindung nach Årdal, Richtung Westen nach Lærdal, ist vielen Naturgefahren wie Lawinen, und Steinschlag ausgesetzt. Wenn also diese Strasse gesperrt werden muss, ist die Fv. 53 über Tyin die einzige Alternative. Weiter sind viele Ferienhäuser in der Tyin Region, welche im Winter rege benutzt werden.

Für die ursprünglich geplanten Schutzmassnahmen, also Tunnel und Strassenverlegung, wurden Investitionskosten von rund 55 Millionen Euro geschätzt. Die Strassenverwaltung berechnete, dass die Kosten beim Einsatz von Systemen zur vorbeugenden ferngesteuerten Lawinensprenganlagen um 95% tiefer liegen. Die Erkenntnis aus dem Testprojekt bestätigte, dass ein lokaler Lawinendienst zusätzlich unabdingbar ist.

Infolge der tiefen Verkehrsfrequenz, wurde im Rahmen des Norwegischen SINTEF Projekts eine Kosten/Nutzenanalyse ausgeführt. Das ursprüngliche Projekt mit Tunnel und Strassenverlegung (Alternative 1) wurde mit der Installation von 13 Lawinensprengsytsemen (Alternative 2) verglichen. Das Resultat zeigte, dass über eine Einsatzdauer von 40 Jahren die Alternative 1 einen negativen Kosten/Nutzenwert von über 40 Millionen Eure aufweist. Die Alternative 2 weist über den gleichen Zeitraum einen positiven Kosten/Nutzenwert von knap 8 Millionen Euro. Dabei wurden den Investitions- und Betriebskosten der beiden Varianten der volkswirtschaftliche Nutzen infolge reduzierter Sperrtage gegenüber gestellt.

Öffentliche Ausschreibung für ferngesteuerte Lawinensprenganlagen

Im Januar 2016 hat die Strassenverwaltung eine Ausschreibung für 13 ferngesteuerte Lawinensprenganlagen inklusive 5 Jahre Unterhalt, Störungsdienst und Lieferung der Sprengladungen publiziert. Die Bieter waren zusätzlich aufgefordert ein Konzept für den operationellen Lawinendienst vorzulegen. Der Entscheid basierte zu 70% auf dem Preis und zu 30% auf Qualitätskriterien.

Für die Qualitätskriterien mussten die Anbieter verschiedene Aspekte beschreiben, wie der Eingriff in der natürlichen Umwelt, Bedienungsoberfläche, erwartete Lebensdauer, Erreichbarkeit für Störungseinsätze und nachladen, der Bedarf an externer Stromversorgung und viele mehr.

WAC3NO1

Um die Wirkungsbereiche der Systeme zu zeigen, wurden von Wyssen Sichtbarkeitsanalysen für alle 13 Standorte erstellt. Diese zeigte für alle Anlagen die zu erwartenden Wirkungsbereiche auf und dass gewisse Bereiche von zwei Anlagen bewirkt werden. Nach der Unterzeichnung des Vertrages, wurde die Sichtbarkeitsanalyse verwendet um die Standorte der Anlagen zu optimieren um die best mögliche Wirkung der geplanten Anlagen zu erreichen.

UP9-12

Bauarbeiten
Die Bauarbeiten für die Fundationen konnten Ende August abgeschlossen werden. Die Sprengmasten wurden Mitte November in Betrieb genommen und pünktlich am 1. Dezember 2016 der Norwegischen Strassenverwaltung übergeben.

Kontaktieren Sie uns

Schreiben Sie hier eine Nachricht. Wir werden uns so schnell wie möglich bei Ihnen melden.

Nicht lesbar? Neuer Text.

Start typing and press Enter to search