Lawinenwarnung in der Gemeinde Tromsø – Erfahrungen von 2025

Erfahrungen aus einem langen und komplexen Lawinenzyklus

Steckbrief

Projekt: Standortspezifische Lawinenwarnung in der Gemeinde Tromsø
Ort: Tromsø
Land: Norwegen
Umsetzung: 2025
Kunde: Gemeinde Tromsø
Geschütztes Objekt: Siedlungsgebiete
Installierte Systeme: WAC.3®
Dienstleistungen: Lawinenwarnung

Langer und komplexter Lawinenzyklus

Der Lawinenzyklus vom 15. bis 21. März 2025 stellte den bislang längsten und komplexesten Lawinenzyklus seit Beginn unserer Tätigkeit im Bereich der ortsspezifischen Lawinenwarnung für bebaute Gebiete in der Gemeinde Tromsø dar. Neben einem tödlichen Unfall beim Outdoor-Sport am Pollfjellet in Lyngen, grossflächigen Stromausfällen und gesperrten Strassen in der Region mussten aufgrund der hohen Lawinengefahr auch Einwohner in Tromsø evakuiert werden. In den Warngebieten rund um den Ullsfjord in der Gemeinde Tromsø wurden während des Lawinenzyklus insgesamt acht grosse Lawinen dokumentiert. In Breivikeidet erreichten vier dieser Lawinen die Strasse, die gemäss Kartierung innerhalb einer Gefahrenzone mit einer jährlichen nominalen Wahrscheinlichkeit von 1/100 bis 1/1000 liegt. Die grösste Lawine kam nur rund 40 Meter von einem evakuierten Wohnhaus entfernt zum Stillstand. Anwohnerinnen und Anwohner rund um den Ullsfjord beschrieben das Ereignis im Nachhinein als das  bedeutendste seit Jahrzehnten. In den Gemeinden Lyngen, Kåfjord und Nordreisa wurden ebenfalls Wohngebiete evakuiert.

Viele Lawinenzyklen sind durch einen raschen und ausgeprägten Anstieg der Lawinengefahr infolge eines einzelnen Wetterereignisses gekennzeichnet. In diesem Fall verhielt es sich jedoch anders: Die Wetterlage war von Tag zu Tag für sich genommen nicht kritisch, verschärfte sich jedoch über mehrere Tage hinweg, teils über nahezu eine Woche kontinuierlich. In Kombination mit einer instabilen Schneedecke erreichte die Situation schliesslich ein kritisches Niveau. Auch die allmählich abnehmenden Niederschlagsmengen und die schrittweise Wetterberuhigung führten nicht zu einem klar erkennbaren Ende des Lawinenzyklus. Stattdessen lieferte die Natur eindeutige Signale:  Grosse Lawinen ereigneten sich in den Warngebieten sowohl zu Beginn, während als auch am Ende des Lawinenzyklus.

Handhabung

Im Auftrag der Gemeinde Tromsø war Wyssen Norge eng in die Situation eingebunden und lieferte Bewertungen in Form von ortsspezifischen Lawinenwarnungen und Evakuierungsempfehlungen, führte Feldbeobachtungen durch und traf sich während der gesamten Situation mit Risikoträgern (Gemeinde Tromsø) und Entscheidungsträgern (Polizei).

Obwohl der Lawinenzyklus im März 2025 nicht von extremen Wetterbedingungen geprägt war und vielleicht nicht so akut empfunden wurde wie der Lawinenzyklus im März 2023, war es dennoch eine ungewöhnliche und anspruchsvolle Situation. Die allmähliche Verschärfung der Lage machte es schwierig zu entscheiden, wann Massnahmen ergriffen werden sollten. Gegen Ende des Zyklus war es aufgrund der nur langsamen Entspannung schwierig, die Evakuierungen wieder aufzuheben.

Die nachträgliche Bewertung kommt zu dem Schluss, dass die Situation unter den gegebenen Umständen gut gelöst wurde. Nach einem grossen Lawinenzyklus mit vielen Lawinen in den Warngebieten nehmen sowohl wir als auch die Gemeinde Tromsø viele nützliche Erkenntnisse mit. Im Mittelpunkt der Erkenntnisse stehen die Zusammenarbeit und der Aufbau von Netzwerken zur Stärkung des Informationsflusses zwischen Lawinenwarndiensten, Behörden und lokalen Fachleuten, damit alle ein möglichst gutes Verständnis der Situation und eine optimale Entscheidungsgrundlage für ihre jeweiligen Interessen und Verantwortungsbereiche erhalten.

Ein Projekt von:

Wyssen Norge AS

Fosshaugane Campus, Trolladalen 30
6856 Sogndal
Norwegen
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norway@wyssen.com
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Martin Venås
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